Bergham liegt im Südosten von Deutschland im Freistaat Bayern ca. 30 km nördlich der Bezirkshauptstadt Regensburg und ca. 70 km westlich der tschechischen Staatsgrenze entfernt. Dies ist der Regierungsbezirk der Oberpfalz, welchem auch der Landkreis Schwandorf, in dem es beherbergt ist, angehört. Wir befinden uns am sogenannten „Regenknie“ einem Bestandteil des schönsten Nationalparks Europas, dem Bayerischem Wald. Daher wird es auch sehr gern von Urlaubern zur Erholung genutzt. Durch die Stadt fließt der Regen, ein Fluss der Nittenau in zwei geographische Hälften teilt. Die beiden Seiten sind durch zwei Brücken verbunden. Die südliche Hälfte ist Nittenau und die nördliche Bergham.

 

Namensdeutung und erste urkundliche Erwähnung

 

Die geschichtlichen Ereignisse Berghams waren stets eng verknüpft mit denen des ehemaligen Nachbarorts Nittenau, so dass man von einer eigentlichen Geschichte Berghams nicht sprechen kann. Es sind von dem Ort Bergham so gut wie keine historischen Aufzeichnungen vorhanden. Eine Anfrage beim Staatsarchiv Amberg bestätigte, dass über Bergham nicht besonders viele Einzelakten vorliegen. Vorhanden sind dort jedoch noch die älteren Grund­steuerkataster. Daneben gibt es einige Einzelakten über Brücken und Straßen­bauten, Holzrechte usw.

 

Deutung des Ortsnamen Bergham

 

- Bergham (mundartlich Beacham)

 

- Percheim (Monumenta Boica 36a, p. 370)

 

- 1273 item apud Perchaim (Mon. Bolca ib. p. 672, 1326)

 

- Perkheim (Walderbacher Gerichtsurkunden 5, 1367)

 

- ze Perkhaim bei Nittenaw (Monumenta Boica p. 250, 1379)

 

- Perkhaim (Walderbacher Urkunden 43, 1462)

 

- Perckham (Pfarr-Matrikel Nittenau, 1667)

 

Das Grundwort "ham" ist ebenso wie "kam" dem Wort "heim" Haus, Woh­nung, Wohnplatz gleichzusetzen.

Bergham = "Siedlung auf dem Berg", da es höher liegt als das auf dem anderen Ufer gelegene Nittenau.

Mit Sicherheit ist also laut der Urkunden der Ort Bergham im Jahre 1273 schon genannt. Die Ortschaft nahm wohl ihren Siedlungsursprung am Brückenkopf der Großen Regenbrücke, wo die Hochmuthmühle stand und jetzt ein Elektrizitätswerk steht.

Dies beweist auch der bekannte Merianstich von Nittenau (um 1644), wo auf der Berghamer Seite neben der Brücke bereits Gebäude errichtet gewesen waren. Später wurde an dieser Stelle eine Schleiferei erbaut. Erst nach und nach erweiterte sich der Ort um diesen Siedlungskern.

 

Das 19. und die Anfänge des 20. Jahrhunderts

 

Im Jahre 1888 wurde endlich die alte Holzbrücke über den Regen durch eine große eiserne Brücke ersetzt und am 23. November 1888 dem Verkehr übergeben. Sie kostete 110.000 Reichsmark.

Arbeitsplätze waren damals noch wenige vorhanden. Neben einem Hüttenwerk mit Hochofen, Schmelzhaus und Waffenhammer,

das erstmals schon 1738 urkundlich nachweisbar ist, waren es um die Jahrhundertwende vor allem die Steinbrüche in der Umgebung,

die erste Ansätze einer industriellen Entwicklung andeuteten, die allerdings noch lange auf sich warten ließen.

Dann kam der 1. Weltkrieg und die aufstrebende Tendenz des Ortes wurde wie überall in Deutschland wieder unterbrochen.

In den Jahren 1914 - 1918 verlor eine große Zahl an Männern Berghams an den verschiedenen Fronten des Krieges ihr Leben.

Der allgemeine wirtschaftliche Niedergang mündete nach dem verlorenen Krieg in eine Inflation, auf deren Höhepunkt in der letzten Novemberwoche 1923 der Wert von einer Billion Papiermark auf eine Goldmark gesunken war. Der amerikanische Dollar kostete

am 31. Januar 1919 8,57 Papiermark und am 20. November 1923 bereits 4.200 Milliarden Papiermark.

Erst die Stabilisierung der Währung durch die Einführung der Rentenmark ermöglichte wieder eine zaghafte Entwicklung.

Am 22. Juni 1937 beschloss der damalige Marktgemeinderat Nittenau mit Einverständnis des Gemeinderates Bergham den Bau eines Jugendheimes in Bergham, dessen Kosten in Höhe von 43.000 Reichsmark die Marktkasse so stark belastete, dass staatsaufsichtliche Maßnahmen eingeleitet werden mussten.

Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Erneut wurden wieder viele Männer Berghams zu den Waffen gerufen, um in einem

sinnlosen Krieg zu kämpfen, der Deutschland bald die totale Niederlage bringen sollte.

 

Bomben auf Bergham - der schicksalsschwerste Tag für den Ort

 

Die Wirren des zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 gingen an der Gemeinde Bergham nicht spurlos vorüber.

Neben einer großen Zahl von gefallenen und bis heute noch vermissten Soldaten hatte auch die Heimatgemeinde Bergham beim Bombenangriff alliierter Flugzeuge am 28. Dezember 1944 einen hohen Zoll zu zahlen.

Dieser Tag ist mit eisernem Griffel in die Geschichte von Bergham und Nittenau geschrieben: Sinnlose Bombardierung durch alliierte Flugzeuge, 28 Tote, ein Mehrfaches an Verwundeten, rund eine halbe Million Reichsmark an Sachschaden.

Mittags 12:05 Uhr dieses Tages näherten sich vom Norden her starke amerikanische Bomberverbände, anscheinend im Anflug auf Regensburg.

Doch mit Schrecken bemerkten die Einwohner von Bergham und Nittenau, soweit sie nicht schon die Keller aufgesucht hatten, dass die Flugzeuge tiefer stießen und eine große Anzahl Tod und Verderben bringender Bomben abwarfen. Von Bergham über beide Regenarme bis hinüber nach Nittenau, vom Wechsel draußen mitten auf der Straße bis auf das Gelände der Nebengebäude der Bäckerei Jobst in Nittenau. Wenn nicht eine große Zahl der Bomben in den Regen gefallen wäre (die unter Wasser liegenden Trichter bildeten noch lange eine Gefahr für die Badenden), so wäre das Unheil noch größer gewesen.

 

Durch Augenzeugenberichte wurden in Bergham folgende Bombenschäden bestätigt:

 

- bei Aumüller: große Dach und Gebäudeschäden

 

- bei Dietl: Bombeneinschlag in den Brunnen

 

- zwei Häuschen in der Brucker Straße

 

- bei Lehner (ein Mann tot)

 

- ein Blindgänger

 

- Volltreffer in die Raiffeisenbank die damals in Bergham war (8 Tote)

 

- bei Viehhändler Schmatz: Scheune und Vieh vernichtet (Magd tot)

 

- bei Metzgerei Piendl (1 Frau und ihre beiden Enkel tot)

 

- beim Brückl Richtung Thann (1 tote Radfahrerin)

 

Schwere Schäden wurden auch noch in Nittenau selbst durch die Bomben­explosionen angerichtet. Die Turmuhr der Nittenauer Kirche blieb um 12:05 Uhr stehen und zeigte noch lange mahnend den Zeitpunkt der Bombardierung an.

 

Die letzten Phasen des Krieges

 

Die "Große Regenbrücke" wird gesprengt

 

Nachdem das Kriegsende und ein totaler Zusammenbruch des Regims im Frühjahr 1945 schon absehbar waren, stießen die alliierten Truppen damals von der nördlichen Oberpfalz aus Richtung Schwandorf in den Raum Nittenau vor.

Dabei wurde auch die Gemeinde Bergham nochmals hart getroffen. Der Kommandeur der um Nittenau eingesetzten deutschen Truppen gab den Befehl, die große Regenbrücke zu sprengen.

Damit sollte der Vormarsch der Amerikaner um einiges hinausgezögert werden. Der damalige Bürgermeister Rothbauer legte schärfsten Protest ein, aber es war vergeblich.

Am 23. April 1945 wurde die Sprengung durchgeführt und die Eisenkonstruktion sank in den Regenfluss.

Häuser in der Umgebung der Brücke sowohl auf Berghamer als auch auf Nittenauer Seite wurden schwer mitgenommen.

Die Sprengung der großen Regenbrücke hatte den damaligen Markt Nittenau von Bergham völlig abgeschnitten. Auch die Wasserleitung, die an der Brücke hing, wurde unterbrochen. Erst nach einigen Tagen konnte eine neue Wasser­versorgung mittels Feuerwehrschläuchen hergestellt werden. Aber schon drei Wochen nach der Zerstörung der Nittenauer Regenbrücke wurde mit dem Bau einer Notbrücke aus Holz unterhalb der ehemaligen Hochmuthmühle begonnen.

 

 

Das Ende des Krieges in unserer Heimat

 

Mit großer Macht stießen die alliierten Truppen aus Richtung Schwandorf auf unser Heimatgebiet vor. Aber auch aus dem Süden, Westen und Osten drängten Truppenverbände in das Regental.

Der Widerstand der deutschen Armee wurde zusehends geringer, ihr bereitete oft der Rückzug größere Sorgen als die Verteidigung, die ja angesichts der gegnerischen Übermacht sowieso sinnlos geworden war.

Im Wald bei Diepenried an der Bodensteiner Straße hatte noch eine deutsche Artilleriebatterie Stellung bezogen und versuchte, den Amerikanern den Vormarsch in den Nittenauer Raum zu beschweren. Doch wegen Munitionsmangel musste die Kampfeinheit bald aufgeben. Dazu hatten alliierte Kampfflugzeuge die Stellung schnell erkannt und zwangen durch Tiefangriffe die deutschen Truppen zum Abbau.

Der Einmarsch der Amerikaner in Bergham und Nittenau im April 1945 wickelte sich weniger schmerzvoll und verlustreich ab, wenn auch durch Artilleriebeschuss großer Sach- und Inventarschaden entstand.

 

Granateneinschläge beschädigten die Wohngebäude:

 

- Heigl

 

- Kerscher

 

- Tonollo an der Regensburger Straße (Regentalstraße)

 

- Pantoulier (gegenüber "Nudeleck")

 

- Fuchs Alois

 

- Meier

 

- Küffner

 

- Horstgebäude (bis 1980 Metzgerei Schmatz)

 

- Schulhaus

(daher hier kein Unterricht, später vorübergehend in Gasthaussäle verlegt)

 

Auch wurden an der Bodensteiner Straße eine Reihe von Scheunen in Brand geschossen und dadurch viele eingestellte Motorfahrzeuge der deutschen Wehrmacht zerstört.

Gott sei Dank gab es unter der Zivilbevölkerung diesmal keine Toten, wohl aber Verletzte. Einige deutsche Soldaten fielen in unserer Gegend. Da man bei den Toten keinerlei Papiere mehr fand, wurden sie als unbekannt im Nittenauer Friedhof beerdigt.

Ein beherzter Nittenauer hisste sodann auf dem Kirchturm die weiße Fahne. Die Amerikaner hielten Hausdurchsuchungen nach Waffen und versteckten Landsern ab und ließen sich Lebensmittel geben. Sie gingen sonst durchwegs anständig mit der Bevölkerung um. Es galt Ausgangssperre und es mussten Zettel an den Häusern sein mit Angabe der Bewohnerzahl.

Oft gar nicht mehr wahrgenommen durch die sich überstürzenden Ereignisse wälzte sich neben den Truppen noch ein weiterer Menschenstrom über unsere Straßen, die Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten. Viele von ihnen be­saßen nur mehr die wenigen Habseligkeiten, die sie am eigenen Leibe trugen, vielleicht noch eine Handtasche oder einen Koffer dazu.

Ein großer Teil von ihnen fand in unserem Heimatgebiet eine Notunterkunft. Viele davon blieben seßhaft und bauten sich oft unter schwierigsten Bedingungen eine neue Le­bensexistenz auf. Heute fühlen sie sich bei uns zu Hause und haben auch zum Aufbau und zu einem neuen Anfang in unserem Gebiet mitgeholfen.

 

Bergham nach dem 2. Weltkrieg

 

Am Karfreitag des Jahres 1943 wurde der damalige Bürgermeister der Gemeinde Bergham Hans Hochmuth sen. noch zur Wehrmacht einberufen. Da eine Neuwahl nicht stattfand, mußte der zweite Bürgermeister Franz Zimmerer sen. die Amtsgeschäfte der Gemeinde ab diesem Zeitpunkt bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 führen.

Die Amerikaner setzten nach dem Kriegsende den Landwirt Johann Bollwein als kommissarischen Bürgermeister

für die Gemeinde Bergham ein.

Doch bereits 1946 war eine der ersten Amtshandlungen der amerikanischen Militärregierung die Zusammenlegung der bisherigen Gemeinde Bergham mit der Marktgemeinde Nittenau am 1. Oktober 1945

Bergham hatte als selbständige Gemeinde aufgehört zu bestehen. Die Gemeindeakten wurden nach Nittenau verbracht und Bergham wurde Ortsteil des damaligen Marktes Nittenau.

Eine besondere Bedeutung sollte das 1937 in Bergham an der Fischbacher Straße errichtete Jugendheim noch erhalten. Auf Initiative des Notars Dr. Otto Gerhard gründete sich am 23. Januar 1949 ein "Verein zur Errichtung einer Realschule", der sein Ziel trotz erheblicher Schwierigkeiten verwirklichen konnte. Die Grundelemente des ehemaligen Jugendheimes waren Domizil dieser Schule.

 

Am 1. September 1949 nahm die vierklassige private Realschule Nittenau in diesem Gebäude ihre Lehrtätigkeit auf.

Am 1. Oktober 1959 wurde sie als Oberrealschule vom Freistaat Bayern übernommen und konnte bereits 1964 die ersten Abiturienten entlassen.

Am 4. Mai 1965 wurde die Oberrealschule Nittenau in ein Gymnasium umbenannt. Die anschließende Namensverleihung

"Regental-Gymnasium Nittenau" wurde in Nittenau mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen.

Nach mehreren Um- und Anbauten sowie der Errichtung einer Turnhalle meinte man, vorerst die Probleme gelöst zu haben. Doch es erwies sich, dass die Anlagen des Gebäudes für den Unterrichtsbetrieb eines Gymnasiums auf Dauer als vollkommen unzureichend waren und so wurde der Neubau in Nittenau an der Bodensteiner Straße beschlossen.

Der Ortsteil Bergham rechnet es sich jedoch als große Ehre an und ist stolz darauf, dass er dieser Schule für viele Jahre Heimatrecht gewähren durfte.

 

Bergham heute und seine Zukunft

 

Als besonders interessant ist die Siedlungsform Berghams zu betrachten. Die Besiedelung erfolgte von innen nach außen, wobei besonders die Ausfall­straßen in Richtung Fischbacher und Thanner, Brucker und Walderbacher Straße zuerst sozusagen radial besiedelt wurden. Diese Siedlungsweise ent­sprach den typischen Straßensiedlungen.

Erst nach der Eingemeindung nach Nittenau wurde versucht, diesen Ort flächenmäßig zu erschließen.

Eine der ersten Maßnahmen war die Bebauung der Schützenstraße, die auch zugleich eine Verbindung zwischen Walderbacher und Brucker Straße herstellte.

Das zweite Siedlungsprogramm umfaßte das Gebiet Föhren- und Arberweg. Somit konnte hier eine Verbindung zwischen der Thanner und Brucker Straße geschaffen werden.

Ein weiteres Siedlungsprogramm wurde in Richtung Bleich verwirklicht. Dabei konnten die Thanner und Fischbacher Straße günstig verbunden werden. Die rechtzeitigen Wasser-, Kanal- und Straßenerschließungen wurden dabei geschaffen.

So wurde im Laufe der Zeit versucht, aus einer fächerartigen Bebauung, Querverbindungen zur Füllung dieser Fächerrippen zu schaffen.

Eine besondere Bedeutung hat heute der Ortsteil Bergham als Industrieort Nittenaus erhalten.

Die Industrieansiedlung nordöstlich von Bergham erfolgte aus mehreren Gründen (geologische, geographische, klimatische Bedingungen, Bahnverbindung usw.).

Außerdem konnte damals die Stadt für neue Industrieansiedlungen auf dem Terrain "Hirschenbleschen" ein Grundareal erwerben, das vorläufig den Ansprüchen industriewilliger Unternehmer Genüge leisten sollte.

Stellvertretend für alle „alten“ Firmen, die sich in Bergham ansiedelten, darf hier die Firma Schlingmann genannt werden, die als erste den Industrieboom in Bergham eröffnete.

Mittlerweile hat eine große Anzahl von auswärtigen und einheimischen Firmen ihren Sitz nach Bergham verlegt. Besonders zu erwähnen sei an dieser Stelle die Firma KRONES.

 

Dabei ist der Ortsteil Bergham stolz, dass er dank der Firmen die sich hier niedergelassen haben, die meisten Arbeitsplätze bietet.

Bergham ist heute ein lebenswerter "Vorort" von Nittenau geworden. Er besitzt das Freibad mit dem Campingplatz und der TSV beherbergt seine Sportanlagen in Bergham. Dieser Ort bietet ganz neu ein wunderschönes Siedlungsgebiet zwischen dem Anahaidweg und der "Parksiedlung" an der Walderbacher Straße unmittelbar am Anschluss der neuen B16